Das besondere Buch
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Ausgerechnet Tobi Heidi Schmidt
Ausgerechnet Tobi
(ab 12 Jahren und Erwachsene)
ISBN 3-7655-6658-6
Brunnen-Verlag

http://www.heidi-schmidt-buch.de
Ausgerechnet Tobi – ein Buch nicht nur für Betroffene
Heidi Schmidt, geboren 1972 in Wolfsburg, hat bereits zahlreiche Kinder- und Jugendbücher geschrieben, in denen auch immer wieder Krankheiten eine Rolle spielen. Sie selbst wurde mit einem schweren Herzfehler geboren und ist seit 1991 herzlungentransplantiert. In den letzten Jahren hat sie in mehreren Kinder- und Jugendgruppen gearbeitet und daher immer den direkten Bezug zur Zielgruppe ihrer Leserschaft behalten.
Mehr über die Autorin und ihre Bücher erfährt man unter http://www.heidi-schmidt-buch.de/.

Leseprobe:

In diesem Moment kam ein Junge mit seinen Inlineskatern an ihnen vorbeigesaust. Er riss Frau Artus die Tasche aus der Hand, ließ sie auf den Boden fallen, so dass der Inhalt hinaus fiel, und raste lachend davon. "Hexe, Hexe!" rief er noch, bevor er um die nächste Ecke verschwand.
Obwohl zwei Frauen auf der anderen Straßenseite standen, machte niemand Anstalten, Frau Artus zu helfen, geschweige denn, den Übeltäter festzuhalten.
Hanna stand da wie erstarrt. "Böse Junge!", rief Tobi.
Hanna nickte, das hatte Tobi richtig erkannt. Frau Artus stand da und rief nach der ersten Schrecksekunde: "Verfluchtes Miststück!" Dann sah sie auf die Lebensmittel, die weit verstreut auf dem Bürgersteig lagen. Tobi riss sich los und lief zu Frau Artus. "Tobi!", rief Hanna ihm hinterher, aber irgend etwas hielt sie ab, ihm nachzulaufen. Tobi nahm die Hand der alten Frau und sagte: "Nich taurig sein, ich hilf dich!" Die Frau wimmelte seine Hand ab und murmelte: „Geh weg!”
Doch Tobi ließ sich nicht beirren. Er fing an, die Lebensmittel in die Tasche zu packen und redete dabei ununterbrochen: „Mama sag, du muss immer helfen. Dann bis du danz lieb. Du muss nich taurig sein. Ich hilf dich. Ich mach alles in Ornun. Du muss nich böse sein. Ich packt alles ein...”
Hanna stand da wie erstarrt und auch die beiden Frauen auf der anderen Straßenseite beobachteten die Szene wie einen Krimi. Wie würde die „alte Hexe” jetzt reagieren?


Im ersten Moment schien Frau Artus Tobi mit ihrem Stock vertreiben zu wollen. Doch dann ließ sie ihn gewähren. Sie stand nur da, sah ihm zu und verzog keine Miene, als ginge sie das alles nichts an. Nach ein paar Sekunden gab sich Hanna einen Ruck, lief zu Tobi und half ihm, die Sachen in die Tasche zu räumen. Als sie fertig waren, gab sie die Tasche der Frau.
„Hier, bitte”, sagte Hanna.
„Alles einaräumt”, strahlte Tobi.
Frau Artus riss Hanna die Tasche aus der Hand und ging ohne ein weiteres Wort weiter.
Tobi lief hinter ihr her, zog sie am Mantel und sagte etwas vorwurfsvoll: „Du has nich Danke sagt!” Soviel hatte er schon gelernt, dass man für alles Danke sagen musste. Frau Artus blieb stehen und blickte ihn an.
„Du muss immer Danke sagen!”, erklärte Tobi.
„Danke”, presste die alte Frau hervor und humpelte dann weiter.
„Komm, Tobi!”, rief Hanna und Tobi kam zurück.
Die beiden Frauen auf der anderen Straßenseite tuschelten und schüttelten verwundert den Kopf.
„Bin lieb!”, sagte Tobi und Hanna strich ihm mit der Hand über den Kopf.
„Ja, Tobi, du warst lieber als wir alle!”